Vom 18. bis 20. September 2026 organisierte IBSA die fünfte Ausgabe des Narture International Summit on Reproductive Medicine. Der dem Thema «The Sound of Science» gewidmete Kongress fand im Auditorium Parco della Musica Ennio Morricone in Rom statt und etablierte sich als bedeutende internationale wissenschaftliche Veranstaltung, an der rund 250 renommierte Experten auf dem Gebiet der Fertilität teilnahmen.
Narture 2026, «The Sound of Science»: In Rom findet die fünfte Ausgabe des IBSA-Kongresses zur Reproduktionsmedizin
Der Begriff «Narture» entsteht aus der Verbindung der Konzepte der menschlichen Natur, der medizinisch unterstützten Fortpflanzung (auf Englisch ART, Assisted Reproductive Technology) und der Kultur (art) und schafft so einen Dialog zwischen Wissenschaft, Physiologie und Kunst. Der Kongress – vollständig von IBSA konzipiert und organisiert – brachte massgebliche Stimmen aus der Forschung zusammen und stellte dabei den Menschen sowie die wissenschaftliche Innovation in den Mittelpunkt.
Die Gestaltung des Programms erfolgte unter der Leitung des Wissenschaftlichen Beirats, der sich aus sieben internationalen Experten für Reproduktionsmedizin zusammensetzte. Diese trugen zur Festlegung der Inhalte und der Hauptthemen bei und förderten dabei einen interdisziplinären Austausch zwischen Forschung, klinischer Praxis und Innovation:
- Peter Humaidan, Dänemark
- Richard Anderson, Vereinigtes Königreich
- Laura Rienzi, Italien
- Catherine Racowsky, Frankreich
- Anis Feki, Schweiz
- Baris Ata, Türkei
- Valerie Baker, USA
EIN WISSENSCHAFTLICHES PROGRAMM IN VIER DIMENSIONEN
Der dreitägige Kongress führte die Teilnehmenden durch ein Programm, das sich an den vier tragenden Konzepten der Veranstaltung orientierte.
Von der «Inspiration»-Sitzung, die mit dem Plenarvortrag von Prof. Mats Brännström über die Uterustransplantation eröffnet wurde, ging es weiter zur «Innovation»-Sitzung, die sich der Embryogenese, der Genetik und den neuen Perspektiven für künftige Generationen widmete, bis hin zur Debatte über die Rolle des PGT, einem Verfahren, mit dem genetische oder chromosomale Anomalien bei Embryonen identifiziert werden können, die mittels In-vitro-Fertilisation gewonnen wurden.
Die Vertiefung der klinischen Dimension des Kongresses erfolgte anschliessend in der «Interaction»-Sitzung durch interaktive Einblicke in Vorhersagemodelle, Protokolle zur Embryonenkryokonservierung (FET) und die Entwicklung im In-vitro-Fertilisationslabor. Schliesslich lenkte die «Impulse»-Sitzung die Debatte auf die Zukunft der Automatisierung, der Roboterchirurgie und der medizinischen Ethik.
Paola Fasola, Sr. Medical Affairs Manager bei IBSA, erklärt: «Zehn Jahre nach seiner Gründung hat sich Narture heute zu einem internationalen wissenschaftlichen Gipfel mit einer unverwechselbaren Identität entwickelt, der den Grundsätzen, auf denen er gegründet wurde, treu geblieben ist. 2016 von IBSA als unabhängige wissenschaftliche Veranstaltung ins Leben gerufen, war es stets sein Ziel, einen hochwertigen Bildungsrahmen zu bieten, in dem wissenschaftliches Wissen, Innovation und Dialog zum Fortschritt der Reproduktionsmedizin beitragen können.»
VON PCOS ZU PMOS
Die Umbenennung von PCOS (polyzystisches Ovarialsyndrom) in PMOS (metabolisch-polyzystisches Ovarialsyndrom), die im Mai 2026 offiziell bestätigt wurde, gehörte zu den Themen von grösstem wissenschaftlichem Interesse, die an der Nature 2026 zur Sprache kamen. In ihrem Vortrag («Do we now understand PMOS?») zeigte Prof. Elisabet Stener-Victorin auf, wie dieser Schritt einen regelrechten Paradigmenwechsel für eine Erkrankung darstellt, von der weltweit jede achte Frau betroffen ist1 und die viel zu lange als rein gynäkologische Störung betrachtet und lediglich symptomatisch behandelt wurde.
Die Anerkennung der PMOS als systemisch-metabolische Erkrankung mit erheblichen Auswirkungen auf die langfristige Gesundheit ermöglicht es heute, über die allgemeine Symptombehandlung hinauszugehen. Die präventive Stoffwechseloptimierung stellt ein wichtiges Element im Umgang mit der PMOS dar, im Rahmen eines zunehmend personalisierten Ansatzes bei der Patientenbetreuung und der Prävention möglicher Komplikationen.
ADENOMYOSE: AUF DEM WEG ZUR PRÄZISIONSMEDIZIN IN DER ASSISTIERTEN REPRODUKTION
Während die Endometriose in den letzten Jahren grosse mediale Aufmerksamkeit erlangt hat, blieb die Adenomyose lange Zeit im Schatten. Tatsächlich sind ihre Diagnose und ihr Management oft uneinheitlich, und die Erkrankung erfordert einen individuelleren Ansatz.
Historisch gesehen wurde die Erkrankung mit multiparen Frauen in Verbindung gebracht; hochauflösende bildgebende Verfahren haben jedoch eine hohe Prävalenz auch bei unfruchtbaren Patientinnen aufgezeigt, die sich einer medizinisch unterstützten Fortpflanzung (MAP) unterziehen.
In seinem Vortrag («Adenomyosis and ART») betonte Prof. Mauro Cozzolino, dass die Adenomyose nicht länger als binäre Diagnose («vorhanden / nicht vorhanden») betrachtet werden sollte, sondern vielmehr als ein Spektrum von Zuständen, die durch unterschiedliche Phänotypen gekennzeichnet sind und potenziell mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die Empfänglichkeit der Gebärmutterschleimhaut sowie auf die Kontraktilität der Gebärmutter einhergehen, was folglich eine massgeschneiderte Behandlung erfordert. Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Hyperöstrogenismus und Progesteronresistenz bestätigte der Kongress, wie wichtig es ist, den traditionellen «One-size-fits-all»-Ansatz zugunsten massgeschneiderter Strategien zur Embryonenvorbereitung zu überwinden.
DER WERT DER WISSENSCHAFTLICHEN FÜHRUNG IM DIENSTE DER PATIENTINNEN UND PATIENTEN
Mit der fünften Ausgabe der Narture in Rom hat IBSA ihr Engagement für die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse bekräftigt. Die Schaffung von Gelegenheiten für einen Dialog auf höchstem Niveau ist nicht nur ein Mittel, um die Forschung voranzutreiben, sondern stellt auch ein konkretes Versprechen gegenüber den Menschen und den Fachleuten im Gesundheitswesen dar: Spitzenforschung in immer menschlichere, wirksamere und massgeschneiderte Behandlungswege umzusetzen, die die Lebensqualität verbessern und die Menschen auf ihrem Weg in die Zukunft der Elternschaft begleiten.
1Teede HJ, Khomami MB, Morman R, Laven JSE, Joham AE, Costello MF, Patil M, Rees DA, Berry L, Cree MG, Zhao H, Norman RJ, Dokras A, Piltonen T; Global Name Change Consortium. Polyendocrine metabolic ovarian syndrome, the new name for polycystic ovary syndrome: a multistep global consensus process. Lancet. 2026 Jun 6;407(10545):2329-2339. doi: 10.1016/S0140-6736(26)00717-8. Epub 2026 May 12. PMID: 42119588. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42119588/